Maxfrauchen schrieb: Hallo Jutta und Jürgen, selbst denken, organisieren und vorbereiten ist kein Problem für mich.
Was mich aber noch interessiert, was ist das für ein Aufwand?
Hallo Annette,
ein Kollege hatte ein Segelboot, 15qm Jollenkreuzer, aus Mahagoni.
Für jede Stunde Segelvergnügen im Sommer hat er drei Stunden im Winter geschuftet.
In einen PKW steigst du ein, startest den Motor und fährst los. Das machst du im Kasten genau ein mal so und nie wieder. Nach wenigen Metern wirst du wieder anhalten, letzte lose Sachen weg räumen, den vergessenen Push-Lock schließen, die Stromklappe zumachen, die Trittstufe einfahren, das Badfenster und die Dachluke schließen, die Gasflasche zudrehen...
Die lieben Nachbarn wundern sich immer, warum es bei uns so lange dauert, bis sich der Kasten endlich in Bewegung setzt.
Du kaufst ein Auto und eine Wohnung in einem Verbund. Viele Komponenten die zunächst (hoffentlich) alle funktionieren. So ein Fiat-Kasten ist schon ohne Wohnung recht komplex mit einigen Problemzonen. Die Foren sind voll davon. Wassereinbrüche an der Frontscheibe, festgefrorene Keilriemen, Marderschaden, undichte Klimaanlagen, Lackabplatzungen, Batterien die schon nach kurzer Zeit versagen, Sicherungen die scheinbar grundlos durchbrennen, festgerostete Injektoren usw. In jedes Bauteil haben die Hersteller Verschleiß oder Sollbruchstellen hineinkonstruiert. Wann was kaputt geht, weiß der Geier, dass es passiert, steht fest. Also muss man kontrollieren, pflegen, nachfüllen, rechtzeitig austauschen, reparieren wenn es passiert ist und für alle Fälle Plan-B zurechtlegen.
Ähnliches gilt für die Miniwohnung. Unser Roadcamp-R hat Wohnzimmer, Schlafzimmer, Küche, Bad, Keller, Dachboden und Wintergarten. (OK mit etwas Phantasie) Die Wohnung hat eine Stromversorgung mit jeder Menge Lampen, Steckdosen, Kühlschrank, elektrischer Trittstufe, Schiebetüreinzug, evtl. Fernseher, eine Gasanlage mit Vorratsbehälter, Heizung, Kocher, einen Wassertank mit Pumpen, Leitungsnetz, Mischbatterien, Duschkabine, Abflussleitungen, Abwassertank, eine Toilette mit Zauberbox und natürlich Möbel mit den unterschiedlichsten Funktionen und beweglichen Teilen. Also auch hier kontrollieren, pflegen, scharfkantige Stellen entgraten, rechtzeitig lose Schrauben nachziehen, bloß nicht blind vertrauen.
Ein spezielles Problem sind die vielen kleinen Bedienungsfehler, die man sich auf keinen Fall erlauben darf. Bloß nicht auf das Klapptischen stützen, nicht auf den Klodeckel setzen, kein Schubfach unverriegelt lassen, nicht die Batterie tiefentladen, nicht das Wasser einfrieren lassen, nicht die Dachluke offen lassen, nicht die Verdunkelung in der Dachluke ganz schließen, nicht die Markise über Nacht draußen lassen, keinen Vorhangzipfel einklemmen usw.
Man kann sich noch Allerlei zusäzlich einbauen oder einbauen lassen. Um so mehr kann kaputt gehen. Geht tatsächlich etwas davon kaputt, kann man zwar meistens weiter fahren, aber irgend ein Stück Gemütlichkeit fehlt. Bei Gas, Wasser, Strom kann es auch richtig schlimm werden.
Wenn du einen Händler in der Nähe findest, der sich um das Komplettpaket kümmert, hast du Glück. Unsere Fiatwerkstatt liegt 30 km entfernt. Der Händler ist 50 km entfernt , kümmert sich wenn überhaupt nur um den Wohnaufbau. Also macht man so viel wie möglich selber.
Du bekommst eine dicke Anleitung zu deinem Reisewagen.
Schon das alles zu Lesen wird ein ganz ordentlicher Aufwand.
So und jetzt der Kopfstand.
Genau dieser Aufwand macht einen großen Teil des Wohnmobilvergnügens aus.
Irgendwann fängt fast Jeder an selbst dran herumzubasteln. (Bei mir war da der Unterboden noch sauber.) Erst vorsichtig reversibel, dann mutiger, spätestens wenn die Garantie abgelaufen ist, brechen alle Dämme. Meine Nachbarn denken, ich schufte wieder am Kasten und bedauern mich, dabei ist jeder Handgriff Erholung pur. Kann gar nicht genug davon kriegen. Wie bei einer Spielzeugeisenbahn. Das Herumfahren, die Reisen sind nur das Sahnehäubchen auf dem Kuchen.
Also lass dir die Idee bloß nicht ausreden.
Kauf das Ding und hab Spaß.
J+J