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Quercy
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Hallo liebe Kollegen hier im Forum
Vor zwei Jahren wurde unser blauer Pössl Summit 600+ in Barcelona gestohlen. In der Altjahrswoche 2019 habe ich hier auf dem Forum einen Aufruf gestartet und konnte mit der zum Teil unglaublichen Unterstützung von Euch das Fahrzeug ausfindig machen. Es wurde im Raum Köln zum Wiederverkauf angeboten. Voller Zuversicht habe ich die zuständigen Behörden alarmiert und ich ging davon aus, dass unser gutes Stück bald wieder vor der eigenen Haustür steht. Weit gefehlt! Es war lediglich der Startschuss eines zweijährigen Albtraums: das Fahrzeug wurde nie sicher gestellt und die Versicherung wollte nicht bezahlen. Während dieser Zeit habe ich mich hier auf dem Forum nicht mehr gemeldet und auch auf persönliche Anfragen nicht geantwortet, ...laufendes Verfahren und so. Vor zwei Monaten hat die Staatsanwaltschaft Köln den Fall wegen organisierten Betrugs abgeschlossen bzw. eingestellt und die Versicherung mit dem Namen meiner schweizerischen Geburtsstadt hat pauschal in einem aussergerichtlichen Vergleich Verantwortung gezeigt. Im Folgenden erzähle ich etwas detaillierter, was abgelaufen ist, für die, die es interessiert, weil sie vielleicht Ähnliches erleben. Für die, die mehr an den Learnings interessiert sind fasse ich zuerst zusammen, was man NICHT machen darf, wenn einem das Womo geklaut wird.
Die 3 No-Go’s:
- Nicht versuchen, das Fahrzeug selber ausfindig zu machen. Ist ein Fahrzeug 30 Tage unauffindbar, gilt es als gestohlen (Dauer kann länderspezifisch abweichen). Danach bezahlt die Versicherung, auch wenn das Fahrzeug später noch gefunden wird. Es gehört dann aber der Versicherung, nicht mehr dem Vorbesitzer. Meine Intervention hat dazu geführt, dass das Fahrzeug nicht mehr als gestohlen galt.
- Keine Auskunft geben zu nicht vorhandenen Zweitschlüsseln. Diese werden von der Versicherung früh im Prozess eingefordert. Ich hatte einen Zweitschlüssel am Fahrzeug versteckt, und zwar unauffindbar für andere. Dieser wurde nachweislich nicht für den Diebstahl verwendet. Ich habe der Versicherung ehrlich Auskunft erteilt, was dazu geführt hat, dass ich von allem Anfang an zum Mittäter abgestempelt wurde. Die richtige Antwort wäre gewesen, dass ich den Zweitschlüssel schon vor langem verloren hatte.
- Selber Jurist sein wollen ist fahrlässig. Ich habe zwar relativ früh einen, später einen zweiten Anwalt beauftragt, habe aber dennoch einige vermeidbare Fehler gemacht, weil ich mir intelligent genug vorkam. Aber um Intelligenz ging es gar nicht; es braucht einschlägige Erfahrung im juristischen Minenfeld.
Die 3 Go’s:
- Wir sind seither in Städten oder sehr touristischen = kriminellen Gebieten auf überwachten Parkplätzen anzutreffen und bezahlen dort einige Euro für die Unbeschwertheit. Man kriegt die Angst nie mehr ganz weg, dass genau jetzt einer am Womo rumfummelt...
- Alarmanlage eingebaut mit allem Pipapo....und sie auch im neuen Pössl bereits wieder gebraucht...in Portugal auf dem videoüberwachten Parkplatz bei Sintra.
- Bei jeden Zwischenfall sofort zur lokalen Polizei für einen Rapport. Ohne den geht nachher gar nichts.
Nun zur Geschichte:
Die Hinweise aus dem Form in den letzten Tagen 2019 waren überwältigend gut. Inserate auf ebay und mobile.de mit unserem Pössl auf den Bildern; Beschreibung des Verkäufers von denen, die mit ihm im Kontakt waren, telefonisch, mit der Erlaubnis, die Polizei dürfe die Kontakte verfolgen; Hinweise auf mögliche Standorte des Verkäufers. Einer von Euch ist mit mir dann stundenlang Google Earth durchgegangen auf der Suche nach Gebäuden, welche auf den Fotos im Inserat sichtbar waren. Wahnsinn! An dieser Stelle nochmals herzlichen Dank allen, die mich in den doch sehr dunklen Stunden unterstützt haben.
Nur einer im Forum hat rumgescheissert, ich sei vielleicht der wahre Betrüger, der nun mit dieser Suchaktion meine Spuren verwischen wolle. Ich hatte mich masslos geärgert, dann aber mehr und mehr gemerkt, dass das genau die Denke ist bei den sogenannten Schadenexperten bei den Versicherungen.
Meine Versicherung mit dem Namen der grössten Schweizer Stadt hat sehr schnell und unmissverständlich mitgeteilt, dass der Tatbestand eines Diebstahls nicht gegeben sei, trotz Rapport der Polizei in Barcelona und Luzern (Kanton, in dem das Fahrzeug eingelöst war). Grund für die Haltung gab es damals noch keinen. Später wurde mir dann vorgeworfen, der Zweitschlüssel sei im Fahrzeug gewesen. Das würde juristisch gesehen aber nur zu einer Reduktion der Auszahlung führen, wenn Grobfahrlässigkeit vorliegt. Diese muss von der Versicherung bewiesen werden und ist nur dann ein Thema, wenn der Schlüssel von aussen sichtbar ist oder in Griffnähe liegt, also zB auf der Mittelkonsole oder im Handschuhfach.
Der Beweis, dass ein Diebstahl vorliegt, muss hingegen vom Kläger erbracht werden, von mir also. Das Argument, es liege kein Diebstahl vor, schafft schon mal die notwendige Distanz zum Schadensexperten.
Die Tatsache, dass ich seit 25 Jahren alles bei der gleichen Versicherung hatte und vom gleichen Agenten betreut wurde, der meine Familie, das Haus, die Fahrzeuge kannte, hat überhaupt nichts gebracht. Er könne da leider nicht mal ein gutes Wort einlegen, das seien interne Prozesse.
Die Versicherung hat durch alle Schritte durch die gleiche Haltung vertreten, hat keinerlei Anstrengungen unternommen, das Verfahren zu beschleunigen oder das Fahrzeug zu sichern.
Als fast zwei Jahre später die Staatsanwaltschaft Köln in einem Schlussdokument festgehalten hat, dass es sich um einen organisierten Diebstahl handele und eine osteuropäische Frau international zur Verhaftung ausgeschrieben wurde, also einwandfrei geklärt wurde, dass ein Diebstahl vorlag und ich nicht der Täter war, hat die Versicherung geantwortet: ‘Solange niemand rechtskräftig und strafrechtlich verurteilt worden ist, halten wir natürlich an unserer Ablehnung vollumfänglich fest.‘
Der Sachbearbeiter hat dummerweise im weiteren Text klar gemacht, dass er den Bericht gar nicht gelesen hat. Als er dann gemerkt hat, dass ich ein Mann bin und eine Frau gesucht wird, ging alles sehr schnell. Innert 24 Stunden lag ein Vergleichsangebot vor und tags darauf war das Geld überwiesen. Schnellschnell weg vom Tisch.
45'000.- CHF für einen genau 1-jährigen Summit 600+ mit Goldschmitt und AHK und dem Inhalt für drei Wochen Urlaub. Anwaltskosten auf meiner Seite: 12'000.-
Während der Abklärungszeit von 18 Monaten bleibt nicht viel mehr zu tun als zu hoffen und wieder eine Scheibe Anwalt zu bezahlen. Man hat schon den Eindruck, dass keiner was tut. Aus dem 150seitigen Bericht der Staatsanwaltschaft Köln wurde aber schnell klar, dass der Eindruck täuscht. In den Tagen nach meiner Meldung, wo das Fahrzeug sein könnte, waren zahlreiche Polizeikräfte und Administrationen im Einsatz, wohl koordiniert und in eindrücklicher Geschwindigkeit. Der Zwischenhändler war einfach schneller; er hat sehr schnell einen Käufer gefunden, der für 33'000 Euro ein gutes Geschäft zu machen glaubte und ist dann wieder von der Bildfläche verschwunden. Beim Einlösen des Fahrzeugs platzte der Traum des neuen günstigen Womos dann gewaltig. Durch meine Intervention war der Pössl in allen Datenbanken aufgelistet und die Prüfstelle wusste, dass da Diebesgut anstand. Der neue Besitzer hat sein oder nicht sein Wohnmobil dann auf seinem Firmengelände nummernlos abgestellt, wo es...oh Wunder!...nach drei Tagen wieder gestohlen wurde. Mittlerweile rollt unser guter Summit 600+ vielleicht irgendwo in Mazedonien oder Rumänien. Keine Spur mehr.
Hingegen haben die Ermittlungen Details zur Diebesbande ergeben und dazu ist inzwischen wohl ein neues Verfahren eingeleitet worden, das sich meiner Kenntnis entzieht.
Dramatisch, wer da alles zu Schaden gekommen ist:
- Zuerst natürlich wir als Beklaute. Noch nach zwei Jahren suche ich manchmal ein Werkzeug oder ein Mütze, bis mir dann in den Sinn kommt, dass die damals im Pössl war. Wir konnten uns einen Anwalt leisten und haben mittlerweile einen neuen Summit gekauft, lange bevor wir wussten, ob wir je eine müde Mark sehen werden. Wir kommen mit einem Schaden von etwa 15'000 Euro davon.
- Der Zwischenbesitzer, der in wenigen Tagen 33'000 Euro verloren hat. Das ist viel Geld, auch wenn man ihm mindestens Naivität und Fahrlässigkeit vorwerfen kann.
- Die Polizeikräfte in Spanien, Deutschland und der Schweiz.
- Und letztlich – und das schreibe ich nicht ohne Häme – die Versicherung.
So, das der Update von meiner Seite. In der Zwischenzeit habe ich natürlich viel gelernt über den Diebstahl eines Fiat Ducato und über die rasant zunehmende Diebstahl-Statistik. Wenn mein Bericht anderen Pössl-Fahrern hilft, vorsichtiger unterwegs zu sein und da und dort einen Euro auszugeben für einen überwachten Parkplatz, dann ist das mein Beitrag ans Forum. Ein Ducato ist ein Massenprodukt, die Türen und Fenster werden von einem Profi in 20 Sekunden geöffnet und der Motor springt noch in der gleichen Minute an. Und keiner sieht was.
Wir haben unseren Spass am Pössl wieder gefunden, haben Thitronik mit Kill eingebaut und eine versteckte Kamera mit Bewegungsmelder.
Euch allen gesegnete Weihnachtstage und ein gut bereistes 2022!
Andy
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