Werkstattanleitungen lügen fast immer

. Prinzipiell ist ein Zahnriemenwechsel am Ducato ziemlich einfach - der einschränkende Faktor ist, dass zwischen dem vorderen Längsträger und der Riemenscheibe an der Kurbelwelle doch recht wenig Platz ist. Wenn du die Riemenscheibe (und die Plastikabdeckung des Riementriebs) raus bekommst, ohne das Motorlager zu lösen und den Motor abzulassen, hast schon halb gewonnen. Für die Pastikabdeckung müssen dann meist der Klimakompressor samt Halter und die Spannrolle des Rippenriemens weichen, hier bitte keine Leitungen vom Klimakompressor trennen und den Klimakompressor einfach bei Seite hängen. Wesentlich leichter arbeitet es sich, wenn zuvor das rechte Vorderrad und die Radhausschale entfernt wurden - evtl. baust auch die Ladeluftleitung ab, die braucht danach dann ne neue Schelle.
Hast du das Ganze dann freigelegt, erst Kurbelwelle und Nockenwellenrad abstecken, dann die Mutter der Riemenscheibe der Einspritzpumpe lösen und dann erst entspannen und den Riemen abnehmen - ist viel einfacher, als die Riemenscheibe dann später gegenhalten zu müssen. Letzte Ausbau-Challenge ist dann eben diese Riemenscheibe, die presst sich auf einen Konus - passender Abzieher hilft.
Die Ducato-Gemeinde diskutiert stets rege, ob man die Wasserpumpe mit wechseln müsse - ohne Tausch kann die Riemenscheibe der Einspritzpumpe nämlich drin bleiben und man muss kein Kühlwasser ablassen. Prinzipiell kann man darüber auch diskutieren, da beim Womo meist recht wenig Kilometer auf der Pumpe sind und eher das Zeitintervall für den Riemenwechsel ausschlaggebend war. Jedoch habe ich die Erfahrung gemacht, dass so ein Lager, welches jahrelang unter Spannung gehalten wurde gerne in naher Zukunft beleidigt ist, wenn man diese Spannung plötzlich runter nimmt und danach neu spannt. Daher würde ich persönlich die Wasserpumpe immer mit erneuern. Das ist insgesamt etwa ne Stunde und 50€ mehr Aufwand, dafür ist dann ziemlich sicher wieder 5 Jahre Ruhe. Die Rippenriemen und die Spann-, sowie Umlenkrolle des Zahnriemens würde ich ebenfalls immer mit machen.
Beim Einbau ist vorgesehen, dass der Riemen überspannt und dann in diesem Zustand 8 volle Umdrehungen von Hand durchgedreht wird. Das ist mühsam, hat aber den Hintergrund, dass die Zähne sich in die Zahnräder "setzen" und man den Riemen dann korrekt (Aussparung an der Spannrolle kommt mit dem Punkt/Pfeil zusammen) spannen kann. Findet dieser Setzvorgang erst nach dem finalen Spannen statt, passt die Spannung dann wieder nicht.
"Eigentlich" kann da nicht viel schief gehen, wenn man ne gewisse Grundahnung hat, ordentlich arbeitet, die ganze Geschichte korrekt absteckt, von Hand durchdreht, absteckt, korrekt spannt, dann nochmal durchdreht und nochmal absteckt. Hier werden die Absteckwerkzeuge dann einfach nicht passen, wenn der Riemen nen Zahn versetzt ist. Bevor du mit der Arbeit beginnst, beantworte dir selbst bitte die Frage, was du dann machst und ziehe entsprechende Schlüsse daraus

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Es gibt Anleitungen, in denen die beiden Nockenwellen getriebeseitig einzeln abgesteckt und das Nockenwellenrad gelöst wird, um den Riemen aufzulegen. Das ist aus meiner Sicht unnötig, wenn man den Riemen von der Kurbelwelle ausgehend sauber gegen den Uhrzeigersinn auflegt - dann fällt die lockere Stelle des Riemens automatisch mit der Spannrolle zusammen und das Nockenwellenrad kann bleiben, wie es ist. Da reicht es dann auch, lediglich das Nockenwellenrad abzustecken und nicht die Nockenwellen einzeln - spart graue Haare, da die Deckel der Abstecköffnungen der Nockenwellen super zugänglich sind und immer ganz hervorragend rausgehen...