Ölwechsel, Filter, Bremsflüssigkeit = 950,- Das mussten meine Eltern für ihren Kia-Plugin-Hybrid mit 1,6er Motor aufm Thüringer Land auch berappen. Stundensatz 190,-
Öl mitbringen wurde kategorisch abgelehnt. Teileaufschlag für Filter (Luft, Innenraum, Ölfilter) zwischen 70 und 100%.
Und auf der Rechnung steht sogar eine Position, wo der Kunde zahlen muss, weil die Werkstatt den Verbrauch des Autos ausliest und an eine Datenbank (EU) übermitteln muss. Die 7 Jahre Lock-Garantie für einen Kia relativieren sich da schnell, wenn man binnen 7 Jahren beim Vertragspartner rund 7000,- für Öl und Filtertausch bezahlen musste. Lernen durch Schmerz nennt man das wohl. Oder auch - wie zocke ich meine Kunden ab.
Wollte letzte Woche bei meinem Citroen-Händler den fehlenden linken Unterfahrschutz nachordern. Dieses Stückchen Kunststoff sollte mit ein paar Klemmklammern und 5 Schrauben bei 210,- liegen. Ich hab dann gesagt ich überlege mir das und fahre jetzt erstmal 2 Wochen in den Urlaub. Rechts war das Teil vorhanden, die Mitte habe ich beim Schrotti in Italien in einer wirklichen Top-Qualität als Originalteil (wie neu) gekauft. Beim Montageversuch sah ich dann aber, das links gar nichts zum anschrauben da war und das Gegenstück im Werk "vergessen " wurde. Der Teile-Kollege bei Citroen meinte dann - ist normal bei denen und nicht nachvollziehbar was die im Werk zusammenbauen. Für den Klimakondensator soll es 10 verschiedene Ausführungen geben und bis mal der passende geliefert wurde kann es dauern und es treibt die Werkstatt nahe an den Nervenzusammenbruch. Der Stundensatz war dort übrigens am Tresen angeschlagen und lag auch bei 170,-.
Das deutsche Autohandwerk gräbt sich selbst sein Grab. Das kann niemand mehr bezahlen. Es wird wieder wie früher: Man muss eben selbst schrauben oder holt sich nur noch eine Leasingkarre für 2-3 Jahre, zahlt dann seine Mobilitätspauschale, hat die Garantie inklusive und hofft das der durchhält. Die extremen Verrechnungssätze haben Ursachen:
- CI-Vorgaben des Herstellers umsetzen
- Diagnose vorhalten mit dafür ständig notwendigen Updates
- für Teilekatalog und Betriebssoftware bezahlen
- neues Spezialwerkzeug kaufen müssen
- hohe Energiekosten, Wasser, Verbrauchsmaterialien etc. für die Werkstatt
- in neue Werkstattausrüstung investieren
- Mitarbeiter wollen Lohnsteigerung/Tarifabschlüsse
- Versicherungskosten steigen für Gebäude etc.
- neue Vorgaben bzgl. Kalibrierplätze umsetzen und bauen
- notwendige Schulungen für Mitarbeiter (Klimasachkunde, Hochvoltqualifikation...)
um mal einige Kostenpositionen für so einen Betrieb zu nennen. Wie will man das erwirtschaften? Es geht nur über die Stundenverrechnungssätze und die verkauften Stunden + die Margen aus dem Öl und Teilegeschäft. Wenn dann noch die Verkaufszahlen einbrechen und sich die Wartungsintervalle verlängern, muss der Umsatz und Ertrag aus der verbliebenen (und neuen) Stammkundschaft kommen. Da aber die Loyalität der Kunden eher abnimmt, freie Werkstätten auch noch da sind und Ketten wie ATU, Pitstop, Mc-Oil mit "Kampfpreisen" locken, müssen die Verrechnungssätze immer weiter steigen. Irgendwann ist die Zitrone aber ausgequetscht.
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