"Jedem da Seine."
Hier wahrscheinlich nur gemeint i.S.v. > Jeder kann sich seinen Weg wählen.
Wem es nicht bewusst war oder ist, diese Inschrift prangert am/im schmiedeeisernen Tor des Konzentrationslagers Buchenwald (bei Weimar) - dieses Tor durchschritten viele Menschen, die das Lager nicht lebend wieder verließen, da sie ermordet wurden. Abertausende.
Wie auch ein weiterer bekannterer Spruch in den Toren von Ausschwitz I, Sachsenhausen, Dachau,... und Flossenbürg. Bei dem jedem klar sein muss, das er sich nicht als harmlose Floskel eignet.
Der Umgang mit dem Jargon der NS-Diktatur ist diskutabel. "das Motto ist verdorben" (Zitat aus dem Artikel > Sprache und Politik < Bundeszentrale für polit. Bildung*) - trifft es gut. Zumindest ist der Gebrauch eine Art der Einwanderung von z.T. verharmlosenden NS-Sprachgebrauch, der den Gedankengang dahinter aussprechbar machen soll. Das wird den Opfern dieser Gewaltherrschaft nicht gerecht, auch, wenn der Ausdruck so harmlos wirkt und eingesetzt wurde (u.a. in der Werbung). Bei diesem Spruch starb die Naivität und Unbekümmertheit der einzelnen Worte - leider.
Aus Karl Schnogs Lyrikband (*dort ohne Kürzung):
Die Herren haben wirklich Humor
In diesen bitteren Zeiten:
"JEDEM DAS SEINE" steht höhnisch am Tor;
durch das die Häftlinge schreiten.
...was sie an das Höllentor schmieden...
...Das ernste Verprechen der Schüsse...
...Die Marter, die viehischen Witze;...
...Und schließlich die mordende Spritze...
...Und Ihr? Ihr bekommt dann das Eure!
Herbert Sandberg - ein Buchenwald-Überlebender: "Uns den Tod, ihnen den Sieg, so verstanden die barbarischen Schöpfer die schmiedeeiserne Schrift."
OT, trotzdem irgendwie auch "Reißleine".
Campstera
Campster stahlgrau 2020,
ehem. CB 750 Fahrerin + Schrauberlehrling, ehem. T3 vom Schrott gerettet und reanimiert